Über uns

Die Geschichte der Hans-Wendt-Stiftung

Chronologie

Die Chronologie der Stiftung

10. März 1883
Geburt von Hans Wendt, Sohn des Geheimen Kommerzienrates Hermann Otto Wendt und seiner Gattin Antonie Therese Mariannne, geborenen Ehlfeldt.

06. September 1899
Todestag von Hans Wendt

1908
Hermann-Otto Wendt erwirbt Am Lehester Deich einen Hof, nutzt ihn als Sommersitz und nennt ihn nach dem Vornamen seiner Frau „Mariannenhof".

26. September 1919
Die Hans-Wendt-Stiftung wird rechtsfähig.

14. November 1920
Hermann-Otto Wendt stirbt im Alter von 72 Jahren und wird auf dem Riensberger Friedhof beigesetzt.

27. November 1920
Der fünfköpfige Vorstand nimmt seine Arbeit auf.

01. Juni 1922
Zwei Baracken zur Kindererholung werden auf dem Gelände aufgestellt.

3. April 1954
Die ersten Kinder ziehen in die Pflegenester.

4. November 1972
Das letzte der beiden Pflegenester schließt.

29. Oktober 1973
Einweihung des neuen Therapiezentrums Am Lehester Deich 17-21.

22. Januar 1980
Gründung des Vereins zur Förderung vietnamesischer Kinder und Jugendlicher in Bremen.

15. Juli 1982
Eröffnung der Jugendwohngemeinschaft Hohentorsheerstraße.

31. Dezember 1983
Das letzte der drei Vollheime schließt.

1. August 1984
Das IHTE-Projekt startet im Kinder-Tages-Haus Wischmannstraße.

1. September 1985
Die Ausbildungswerkstatt Blockdiek nimmt den Betrieb auf.

31. Juli 1986
Der Vietnam-Verein stellt die Betreuung ein.

1. Dezember 1986
Die Ambulante Hilfe startet.

1. Oktober 1987
Die Stiftung vermietet die Vollheime an den Senator für Jugend und Soziales.

11. September 1989
Beginn der Betreuung der Rußland-Deutschen durch drei Mitarbeite rinnen der Hans-Wendt-Stiftung.

16. Oktober 1990
Die CDU-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft beantragt die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses.

31. Oktober 1990
Der Rechnungshof der Freien Hansestadt Bremen legt den Prüfbericht über Haushalts- und Wirtschaftsführung der Hans-Wendt-Stiftung vor.

29. August 1991
Der Untersuchungsausschuß legt seinen abschließenden Bericht vor.

1. Januar 1993
Die Sozialpädagogische Familienhilfe nimmt ihren Dienst auf.

14. Januar 1993
Die neue Stiftungsverfassung tritt in Kraft.

11. Juni 1995
Die Kinder- und Jugendfarm bezieht Gebäude und Gelände.

1. September 1995
Eröffnung des Kintertageshauses Am Kammerberg.

26. September 1995
Eröffnung des Kintertageshauses Ackerstraße.

1. Oktober 1995
Eröffnung des Wohn- und Betreuungsprojekts Am Lehester Deich.

20. Oktober 1995
Der Familientreff öffnet.

1. Januar 1996
Die Stiftung wird Träger des Jugendhauses Grohn.

1. August 1996
Das Kindertagesheim Am Lehester Deich zieht auf das Stiftungsgelände.

18. Oktober 1996
Eröffnung des Jugend- und Kinderhauses Wohlers Eichen.

1. Januar 1998     
Familienkrisendienst „Familie im Mittelpunkt" startet.

1. Mai 1998
Einzug des Hauses I des Wohn- und Betreuungsprojekts in die Westholzerstraße 16.

1. Juni 1998
Haus II beginnt seine Arbeit am Lehester Deich.

1. September 1999
Der Hort auf der Erlebnisfarm Ohlenhof öffnet

1. Januar 2000
Koordinierung der „Ambulanten Jugendhilfe".

1. Juli 2002
Eröffnung des Kinderhauses Holler Wichtel in Horn Lehe

1. November 2002
Eröffnung des Kinderhauses FinKids in Findorff

1. Januar 2003
Einzug des Wohn- und Betreuungsprojektes in die Utbremer Straße

1. September 2003
Eröffnung des Gästehauses der Kinder- und Jugendfarm in Borgfeld

1. April 2004
Eröffnung des Seminarhauses Grohner Straße in Walle

1. Januar 2005
Start der Ambulanten Maßnahmen

1. Juli 2006
Errichtung einer Koordinierungsstelle für stationäre und ambulante Maßnahmen für Jugendliche

Der Stifter

Das Grab von Hans Wendt
Das Grab von Hans Wendt

Der Stifter

Hermann Otto Wendt, ein wohlhabender Zigarrenfabrikant aus Bremen, ist 35 Jahre alt, als seine Frau Marianne das erste Kind zur Welt bringt - einen Sohn; er bleibt der einzige Nachkomme. Noch bevor er sein 17. Lebensjahr vollendet, stirbt er. Der Vater setzt ihm ein Denkmal. Am 26. September 1919, nachdem auch seine Frau verstorben ist, ruft Hermann-Otto Wendt eine Stiftung ins Leben und benennt sie nach dem Sohn.

Zweck der Hans-Wendt-Stiftung war gemäß § 3 der Stiftungsverfassung „die Gründung und Erhaltung einer Erholungsstätte zur Pflege erholungsbedürftiger, aber nicht kranker Kinder, ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses." Zum Ort der Erholung bestimmte der Stifter seinen Hof Am Lehester Deich, der in Andenken an seine Frau „Mariannenhof" hieß. Für rund 25.000 Reichsmark hatte Hermann Otto Wendt das 15 Hektar umfassende Stück Land 1908 erworben. In der zu errichtenden Erholungsstätte sollten auch Kinder aus dem Bremer Umkreis Aufnahme finden. Und nicht nur Kindern mittelloser Eltern erwies er mit seinem Vermächtnis eine Wohltat. Beamte oder Lehrer sollten freilich ein „angemessenes Pflegegeld" für die Unterbringung ihrer Kinder entrichten.

Es ist in jenen Tagen eine entbehrungsreiche Zeit. Der 1. Weltkrieg ist verloren. Die Soldaten kehren heim. Vier Jahre hat das deutsche Volk an den Sieg geglaubt. Umsonst sind Opfer und Entbehrungen. Schleichhandel und Wucher prägen den Nachkriegsalltag. Die Blockade, die die Sieger des Krieges um Deutschland ziehen, zeigt Wirkung. Am selben Tag, als die Hans-Wendt-Stiftung rechtsfähig wird, fordern Abgeordnete der Bremischen Nationalversammlung, ein „Wucherdezernat" einzuführen; der Ruf nach Zuchthausstrafen für Schwarzhändler wird laut. Und unter der Not der Zeit leiden vor allem die Kinder.

Bis zu seinem Tode steht Hermann Otto Wendt der Stiftung vor. Danach führt ein fünfköpfiger Vorstand die Geschicke der Stiftung; den Vorsitz übernimmt laut Stifterwillen der für Jugendwohlfahrt zuständige Senator der Hansestadt Bremen. Drei Millionen Mark beträgt anfangs das Stiftungsvermögen. Eine stolze Summe, die die Inflation bald darauf verschlingt.

Das Stiftungsvermögen

Das Stiftungsvermögen

Leichter Rauch steigt vom Munde auf in die Lüfte, füllt den Raum und trübt die Luft. Wer den Qualm des Tabaks in sich hineinsaugt, beweist Exklusivität, fühlt sich mondän, gibt sich exotisch und modern. Die Zigarre besitzt alle Insignien eines klassischen Kolonialprodukts. Bremen steigt zu Europas größtem Handelsplatz für Tabak auf und zum bedeutendsten Standort in der Zigarrenproduktion. Mit Tabak und Zigarren kommt Hermann-Otto Wendt zu Geld und Wohlstand.

Sein Vermögen ist beachtlich; der Teil, den er der Stiftung überträgt, umfaßt laut Stiftungsverfassung vom 26. September 1919 Folgendes:

Objekt / VermögensgegenstandSumme in DM und €
Schwachhauser Heerstraße 63 (Gartengrundstück und Wohnhaus)200.000.- DM
(102258,38 €)
Lothringerstraße (Gemüseland nebst Gewächshäusern)60.316.- DM
(30839,08  €)
Bismarckstraße (Gemüseland und Gärtnerei)55.930.- DM
(28596,55 €)
Feldstraße 67 (Mietshaus)15.000.- DM
(7.669,38 €)
Olgastraße 11 (Mietshaus)9.000.- DM
(4.601,63 €)
Mariannenhof Am Lehester Deich 2144.432.- DM
(22.717,72 €)
Wiesen und Weiden in Horn-Lehe36.077.- DM
(18.445,88 €)
Moor- und Heideland in Borgfeld1.163.- DM
(594,63 €)
Anleihen862.414.- DM
(440.945,28 €)
Aktien der Wendts Cigarrenfabriken A.G.1.480.000.- DM
(756.711,98 €)
Hypothek200.000.- DM
(28596,55 €)

Das Grundstück Schwachhauser Heerstraße 63 wurde am 16. Januar 1921 an den Schiffsreeder Bernhard Wiedemann zum Preis von 450.000,- DM (230.081,35 €) verkauft, wobei 250.000,- DM (127.822,97 €) für die Wendt-Stiftung als Hypothek eingetragen und am 12. August 1929 gelöscht wurde. Auch die übrigen Grundstücke waren bis Ende 1921 veräußert worden. Wie gesagt: Die Inflation, die nach Kriegsende einsetzte und sich bis 1923 zur Hyperinflation auswuchs, zerstörte das Stiftungsvermögen weitgehend. Es verblieben gerade noch 265.000,- DM (135.492,35 €).

Die Anfänge

Die Anfänge

Am 14. Juli 1921 versammelt sich der fünfköpfige Vorstand unter Vorsitz des Bürgermeisters Hildebrand zu seiner dritten Sitzung. Unter Tagungspunkt I vermerkt das Protokoll:

...„Die Anschaffung von Unterkunftsbaracken wird besprochen. Nach Diskussion ist man sich darüber einig, dass die Stiftung voraussichtlich im nächsten Jahr den Betrieb im kleinen Masstabe eröffnet wird."

Im Februar 1922, auf der sechsten Sitzung, beschließt der Vorstand, der Militärverwaltung in Kassel zwei Baracken aus einem Gefangenenlager abzukaufen. Staatsbaurat Elfers, der vom Vorstand mit Kauf, Abbruch, Transport, Aufbau und Einrichtung der Unterkünfte beauftragt worden ist, erhält als Anerkennung für die geleistete Arbeit 1.000 Zigarren. Am 1. Juni 1922 werden erstmals 60 Kinder aus Bremen in den Baracken untergebracht. Ein Anfang in bescheidenem Rahmen ist gemacht.

Das Dritte Reich

Das Dritte Reich

1935 beschloß der Vorstand der Hans-Wendt-Stiftung, den landwirtschaftlichen Betrieb auf dem Mariannenhof einzustellen; der Betrieb war seit Jahren schon ein Zuschußgeschäft gewesen. Nun erhoffte man, durch Verpachtung bessere Einnahmen zu erzielen. Die Stiftungsverfassung wurde ergänzt:

„Sollte der Zweck der Stiftung nach dem Ermessens des Vorstandes durch Erhaltung einer Erholungsstätte nicht mehr in befriedigender Weise erfüllt werden können, so bleibt es dem Vorstand überlassen, anderweite Maßnahmen zur Erreichung dieses Zweckes durchzuführen."

Auf das Gelände Am Lehester Deich zog der Reichsarbeitsdienst; Schützengräben wurden ausgehoben und die Jugendlichen paramilitärisch ausgebildet. Auf dem hinteren Teil des Grundstücks errichtete der Sicherheitsdienst einen Schießstand; gegen Ende des Krieges wurden Flak-Geschütze aufgestellt. Am 12. Oktober 1944, als alliierte Flugzeuge einen Angriff auf Bremen flogen, trafen Bomben auch das Wohnhaus, die ehemalige Sommerresidenz der Familie Wendt; das Haus brannte völlig aus.

Die beiden Baracken wurden weiterhin für Landaufenthalte genutzt; die Kinder aber mußten „deutsche Volksgenossen" sein, wie es der Vorstand 1941 verfügte. Auch die Hans-Wendt-Stiftung entzog sich der Zeit nicht.

Die Pflegenester

Die Pflegenester

Nach dem Krieg stellt sich die Frage nach der weiteren Verwendung des Stiftungsgeländes Dem Vorstand schwebt vor,

„dass in absehbarer Zeit ein Teil des Landes besiedelt werden müßte, vielleicht für kinderreiche Familien und dass man im Sinne der Stiftung ein Kinderheim damit verbinden könnte."

(Vorstandssitzung vom 12. Mai 1947)

Aus der Not der Nachkriegsjahre heraus wird eine andere Idee geboren. Kindern, die in meist überfüllten Heimen leben, will man eine neue und dauerhafte Heimat geben. Die Hans-Wendt-Stiftung ändert daraufhin ihren Stiftungszweck, wenn auch mit mehrjähriger Verzögerung. In der Stiftungsverfassung vom 25. Oktober 1962 heißt es:

„Zweck der Stiftung ist die Gründung und Erhaltung von Pflegenestern zur familienmäßigen Betreuung und von Erholungsstätten zur Pflege erholungsbedürftiger, aber nicht kranker Kinder ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses."

1953 läßt die Stiftung zwei baugleiche Gebäude errichten; das „Haus auf der Warft" entsteht auf einem künstlich zum Schutz gegen Hochwasser aufgeworfenen Hügel; an gleicher Stelle stand einst das Wendt´sche Wohnhaus. Das „Haus im Garten" liegt auf der anderen Seite des Zufahrtswegs.

Ein ausgeklügeltes pädagogisches Konzept verbarg sich hinter der Einrichtung nicht, eher der Wunsch, Heimkindern und solchen, denen eine Heimeinweisung drohte, ein Zuhause mit familiären Bindungen zu geben. Im April 1954 zogen die ersten Kinder in die Pflegenester ein; ein halbes Jahr später waren beide Häuser mit jeweils zehn Kindern belegt. Es waren schwererziehbare oder verhaltensauffällige Kinder; manche kamen im Säuglingsalter bereits ins Pflegenest, andere, weil das Jugendamt den Eltern die Erziehungsberechtigung entzogen hatte. Daß für beide Häuser Pflegeeltern gefunden wurden, die pädagogisch geschult und bereit waren, den Kindern die Eltern zu ersetzen, machte den Erfolg der Arbeit aus.

Ein kleines Schlafzimmer und das Wohnzimmer sind den Pflegeeltern vorbehalten. Es gibt einen großen Gemeinschaftsraum, einen langen Spielflur, Sanitär- und Hauswirtschaftsräume, einen kleinen Keller, in dem die Vorräte lagern. Die Kinder, auch die der Pflegeeltern, schlafen zu zweit oder zu dritt jeweils in einem Zimmern. Schlafräume und Badezimmer sind für Mädchen und Jungen getrennt. Das Zusammenleben auf recht engem Raum - 180qm Nutz- und Wohnfläche für 12-14 Personen - fordert strikte Regeln; jedes Kind hat feste Aufgaben - Kartoffelschälen, Schuheputzen, Laub haken. Eine gestandene Respektsperson ist gefragt und im Vater gefunden, der tagsüber einem Beruf nachgeht und nur in der Früh, abends und an Wochenenden anwesend ist. Mit Ende der Ausbildung und Eintritt ins Erwerbsleben ziehen die Jugendlichen aus dem Pflegenest aus.

Das Modell war nicht von Dauer. Im November 1972 schloß das letzte der beiden Pflegenester. Zum einen war versäumt worden, geeignete Pflegeeltern zu finden und anzuleiten; zum anderen erfüllten die Häuser ihre Wirtschaftlichkeit nur, wenn jeweils zehn Kinder dort lebten. Das war Anfang der 70er Jahren niemandem mehr zu zumuten.

Das Therapiezentrum

Das Therapiezentrum

„Einmalig in der Bundesrepublik" titelten die „Bremer Nachrichten", als das Therapiezentrum am 29. Oktober 1973 eröffnet wurde. Vier Millionen Mark kostete der Komplex Am Lehester Deich. Die Stiftung war zu Geld gekommen, weil die Blockland-Autobahn erweitert wurde und sich die Stadt Bremen zum Bau der Universität entschloß. Für beide Projekte wurden 33 Hektar, die sich in Eigentum der Stiftung befanden, angekauft.

Im Therapietrakt finden verhaltensgestörte und verhaltensauffällige Kinder und ihre Eltern ambulante Hilfe; hier sind Behandlungs- und Beratungszimmer, Werk-, Spiel- und Malräume, eine Bibliothek und ein großer Gymnastikraum. In den beiden Kindertagesstätten, zu denen die Pflegenester umgebaut worden sind, werden psychisch erkrankte Kinder tagsüber betreut. Für eine stationäre Unterbringung stehen drei Vollheime zur Verfügung, die jeweils Platz bieten für 10 Kinder. Der Wirtschaftstrakt beherbergt die Großküche und einen Saal, in dem die Kinder aus den Vollheimen und den Kindertagesstätten zum Essen zusammenkommen; im Waschsalon werden Handtücher und Bettwäsche aus den Häusern gewaschen, gebügelt und ausgebessert; im Keller hat die Heizung ihren Platz. Ein Gebäude im hinteren Teil des Geländes, das 1958 als Kindertageserholungsstätte errichtet worden ist, bleibt geistig behinderten Kindern vorbehalten.

800 Kinder, so hieß es aus den Erziehungsberatungsstellen und aus der senatorische Gesundheitsbehörde, warteten in jenen Jahren auf ambulante und stationäre Behandlung. Über entspechende Einrichtungen verfügte Bremen damals nicht. So erschien es dem Vorstand der Hans-Wendt-Stiftung an der Zeit, den Begriff der Erholung im Sinne des Stifters zu erweitern auf „Förderung und Wiederherstellung der physischen und psychischen Tüchtigkeit junger Menschen". Seit Anfang 1967 sprach man in den Vorstandssitzungen über das Vorhaben. Zusammen mit der sich ebenfalls im Aufbau befindlichen Uni sollte das Therapiezentrum eine Einheit in Lehre und Forschung bilden. Neue Ideen brauchen Zeit, sich zu etablieren. Aber nicht jede Idee setzt sich durch. Auch im Falle des Therapiezentrums. Querelen und Kompetenzgerangel zwischen Erziehern, Pädagogen und Therapeuten standen dem Erfolg im Weg.

Umstritten blieb die Absonderung - die Kinder kamen aus allen Stadtteilen an den Lehester Deich und mußten zum Teil weite Anfahrtswege in Kauf nehmen. Auch die streng psychoanalytische Ausrichtung in der Methodik stieß nicht auf ungeteilte Zustimmung. Die Therapien wurden über Krankenkasse abgerechnet, die letzten 1979. Ein Vollheim schloß im August 1980, das zweite ein Jahr später, das dritte zum Jahresschluß 1983.

Dort, wo im ehemaligen Therapietrakt die Empfangsdame saß, ist heute der Kopier- und Postraum untergebracht. Ein Schwarzes Brett hat das Schiebefenster ersetzt. Im Foyer das Relief des Stifters; draußen vor dem Eingang ein Gedenkstein:

„Hermann Otto Wendt, ein Bremer Kaufmann, errichtete zum Andenken an seine Frau und seinen Sohn im Jahre 1919 die Hans-Wendt-Stiftung, eine Stiftung zum Wohle junger Menschen."

Die 80er-Jahre

Die 80er-Jahre

Auf der Suche nach einer HeimatAls boatpeople kamen sie Ende der 70er Jahre nach Deutschland, und gerade die Minderjährigen unter ihnen lösten eine Welle der Hilfsbereitschaft aus.  Anfang 1980 gründete die Hans-Wendt-Stiftung zusammen mit Terre-des-Hommes den Verein zur Förderung vietnamesischer Kinder und Jugendlicher in Bremen. Viel Zeit blieb nicht; die Jugendlichen mußten schließlich irgendwo untergebracht und betreut werden. Die Stiftung kaufte ohne großen Aufsehens zwei Häuser und richtete sie aufwendig her - zu aufwendig, wie sich später herausstellte. Zwei weitere Häuser in Bremen-Nord wurden zusätzlich angemietet. Der Verein, an den die Stiftung die Gebäude weitervermietete, betreute 40 Jugendliche. Drei Jahre später waren die meisten von ihnen volljährig geworden und standen auf eigenen Füßen, oder ihre Familien waren nachgekommen. Auf jeden Fall war das Betreuungsangebot überflüssig geworden. Mitte 1986 schloß die letzte der vier Wohngruppen. 1988 löste der Verein sich auf. Die Hans-Wendt-Stiftung verzeichnete einen Verlust in Höhe von 1,2 Millionen Mark.

Die 80er Jahre gestalteten sich für die Hans-Wendt-Stiftung als eine Phase des Ausprobierens und der Suche. Das Therapiezentrum wurde Schritt für Schritt aufgelöst; die psychisch auffälligen Kinder sollten künftig in deren sozialen Umfeldern betreut werden; Kindertagesheime, die bislang Am Lehester Deich konzentriert waren, wurden in den Stadtteilen errichtet. In der Gröpelinger Heerstraße nutzte die Stiftung hierzu das Gebäude, das sie dem Vietnam-Verein vermietet hatte; an der Dobbheide wurde ein leerstehendes und heruntergekommenes Lehrlingswohnheim saniert; in Kattenturm und auf dem Gelände Am Lehester Deich (in den früheren Pflegenestern und in einem der Vollheime) unterhielt die Stiftung weitere vier Kindertagesstätten. Als Übergangslösung waren sie konzipiert und sollten in integrative Regelkindergärten überführt werden, sobald der Prozeß der Öffnung und Annäherung dies erlaubte. Den Anfang machte das städtische Kindertagesheim in der Wischmannstraße, hier startete 1984 die Integrative Heilpädagogische Tageserziehung. 1991 stellte die letzte Sondereinrichtung der Stiftung ihre Arbeit ein.

Eher Episode blieben Pläne für den Bau eines „Helitrucks", eines Luftschiffs für den Transport sperriger und schwerer Güter; in der Produktion sollten die Lehrlinge der Ausbildungswerkstätten eine feste Beschäftigung finden. In einer Kuttergruppe richteten Eltern verhaltensauffälliger Kinder ein Segelschiff her, um an Bord die Freizeit gemeinsam zu verbringen. Und die Bibliothek Düsseldorfer Straße übernahm die Stiftung, bevor sie geschlossen werden mußte - eine Entscheidung, die auf oberster Vorstandsebene getroffen wurde.

Recht unverhofft kam die Hans-Wendt-Stiftung zu Ausbildungswerkstätten. Arbeitslose und sozial benachteiligte Jugendliche sollten hier einen Beruf erlernen.

Der Senator für Jugend und Soziales, der zugleich der Stiftung vorstand, wollte hierfür die Hans-Wendt-Stiftung gewinnen. Trotz anfänglicher Einwände anderer Vorstandsmitglieder und des Umstandes, daß in diesem Arbeitsfeld die Stiftungsmitarbeiter über keine Erfahrung verfügten, wurde die Verwaltungsleitung mit der Durchführung des Projekts beauftragt. Zumindest ein finanzielles Risiko sollte ausgeschlossen sein; die EU und das Arbeitsamt übernahmen sämtliche Kosten. Die erste Werkstatt richtete die Stiftung im umgebauten Freizeitheim Blockdiek ein, eine zweite auf dem Gelände Dobbheide, die dritte in Räumen der Schule Kerschensteiner Straße und eine vierte Werkstatt betrieb die Stiftung in Zusammenarbeit mit der Schlosserwerkstatt Borgfeld. Die Zuschüsse waren allerdings auf drei Jahre begrenzt. Eine Finanzierungslücke klaffte, als die Lehrlinge, die beim ersten Anlauf durch die Prüfung gefallen waren, nach dreieinhalb Jahren vor ihrem Abschluß standen. Die Zeit wurde überbrückt - aufkosten der Stiftung. Am Schluß standen 1,4 Millionen Mark Verlust zu Buche.

Schwere Zeiten für die Hans-Wendt-Stiftung, zumal die früheren Vollheime auf dem Gelände Am Lehester Deich leer standen. Zur gleichen Zeit hatte das Land Bremen eine wachsende Zahl von Zuwanderern.

Die Neuausrichtung

Die Neuausrichtung

Die senatorische Stiftungsaufsicht präsentierte Anfang der 90er-Jahre neue Richtlinien, die auch die Hans-Wendt-Stiftung betrafen:
Senatoren sollen künftig nicht in Vorständen von Stiftungen sitzen, die aus dem Etat des jeweiligen Ressorts öffentliche Mittel beziehen. Daraufhin wurde eine neue Stiftungsverfassung entworfen. Im Januar 1993 traf sie in Kraft. Bislang hatte der Vorstand die Stiftungsleitung eingesetzt, und sie war ihm rechenschaftspflichtig. Seit 1993 leiten ein hauptamtlicher Vorstand und der ehrenamtliche Stiftungsrat die Geschicke der Stiftung. Der Vorstand besteht aus einer, maximal zwei Personen. Der Stiftungsrat setzt sich aus sieben Mitgliedern zusammen; zwei bestellt der für Jugendhilfe zuständige Senator, drei in Abstimmung mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, zwei in Abstimmung mit der Anwaltskammer Bremen. Der Stiftungsrat verabschiedet für das laufende Jahr den Wirtschaftsplan; er achtet darauf, dass der Stiftungszweck gewährleistet und das Stiftungsvermögen erhalten bleibt; der Stiftungsrat ist ein Aufsichtsgremium, hat somit keinen Einfluss auf Entscheidungen im Tagesgeschäft.
Erneut verändert wurde § 2 der Stiftungsverfassung:

„Zweck der Stiftung ist die Förderung der Kinder- und Jugendhilfe. Der Zweck der Stiftung wird insbesondere auch dadurch erfüllt, daß sie durch die Erprobung modellhafter Einrichtungen und Dienste zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe beiträgt."

Besonderes Gewicht wird auf Qualitätsmangement gelegt. Ein Mitarbeiterhandbuch gibt den Mitarbeitern Einblick und Übersicht in Sachen Stiftungsverfassung, Geschäftsordnung, Geschäftsverteilungsplan, Stellenpläne, Dienstanweisungen und Gesetze, auf deren Grundlagen die Stiftung die erbrachten Leistungen den Kostenträgern in Rechnung stellt. Einsicht in Entscheidungsfindungen und in übergeordnete Organisationsstrukturen schafft Verantwortungsbewusstsein. Keine Rechte ohne Pflichten. Ein Qualitätssicherungsverfahren überprüft die geleistete Arbeit der Mitarbeiter. Veränderungswünsche und Anregungen, soweit sie sich innerhalb der vorgegebenen Richtlinien bewegen, sind stets willkommen.
Erstmals wurde die Hans-Wendt-Stiftung am 22. September 2008 nach DIN EN ISO 9001:2000 zertifiziert. Seit 20.10.2011 hat sie das Zertifikat nach DIN EN ISO 9001:2008.

Die Leitideen der Arbeit entwickeln sich aus verhaltenstherapeutischen und systemischen Ansätzen.