Das Stiftungsvermögen

Leichter Rauch steigt vom Munde auf in die Lüfte, füllt den Raum und trübt die Luft. Wer den Qualm des Tabaks in sich hineinsaugt, beweist Exklusivität, fühlt sich mondän, gibt sich exotisch und modern. Die Zigarre besitzt alle Insignien eines klassischen Kolonialprodukts. Bremen steigt zu Europas größtem Handelsplatz für Tabak auf und zum bedeutendsten Standort in der Zigarrenproduktion. Mit Tabak und Zigarren kommt Hermann-Otto Wendt zu Geld und Wohlstand.

Sein Vermögen ist beachtlich; der Teil, den er der Stiftung überträgt, umfaßt laut Stiftungsverfassung vom 26. September 1919 Folgendes:

Objekt / Vermögensgegenstand Summe in DM und €
Schwachhauser Heerstraße 63 (Gartengrundstück und Wohnhaus) 200.000.- DM
(102258,38 €)
Lothringerstraße (Gemüseland nebst Gewächshäusern) 60.316.- DM
(30839,08  €)
Bismarckstraße (Gemüseland und Gärtnerei) 55.930.- DM
(28596,55 €)
Feldstraße 67 (Mietshaus) 15.000.- DM
(7.669,38 €)
Olgastraße 11 (Mietshaus) 9.000.- DM
(4.601,63 €)
Mariannenhof Am Lehester Deich 21 44.432.- DM
(22.717,72 €)
Wiesen und Weiden in Horn-Lehe 36.077.- DM
(18.445,88 €)
Moor- und Heideland in Borgfeld 1.163.- DM
(594,63 €)
Anleihen 862.414.- DM
(440.945,28 €)
Aktien der Wendts Cigarrenfabriken A.G. 1.480.000.- DM
(756.711,98 €)
Hypothek 200.000.- DM
(28596,55 €)



Das Grundstück Schwachhauser Heerstraße 63 wurde am 16. Januar 1921 an den Schiffsreeder Bernhard Wiedemann zum Preis von 450.000,- DM (230.081,35 €) verkauft, wobei 250.000,- DM (127.822,97 €) für die Wendt-Stiftung als Hypothek eingetragen und am 12. August 1929 gelöscht wurde. Auch die übrigen Grundstücke waren bis Ende 1921 veräußert worden. Wie gesagt: Die Inflation, die nach Kriegsende einsetzte und sich bis 1923 zur Hyperinflation auswuchs, zerstörte das Stiftungsvermögen weitgehend. Es verblieben gerade noch 265.000,- DM (135.492,35 €)